„Es war die größte Lüge, dass die Menschen behaupteten, nichts davon gewusst zu haben.“ – Die Jahrgangsstufe 10 der Gesamtschule Konradsdorf besucht die KZ-Gedenkstätte Buchenwald.
„Man kann nicht in Worte fassen, was die Menschen ertragen mussten,“ resümieren Hendrik R. und Linus H. die Exkursion zur Gedenkstätte Buchenwald. Dort hatten die Nationalsozialisten im Juli 1937 eines der drei größten Konzentrationslager innerhalb des Reichsgebietes eingerichtet. Mehr als 260.000 Menschen unterschiedlicher Verfolgtengruppen – darunter politische Gegner, Juden, Zeugen Jehova und Homosexuelle – waren in den acht Jahren seines Bestehens in diesem Lager inhaftiert.
Bei ihrer Fahrt nach Buchenwald die auch vom Wetteraukreis finanziell unterstützt wurde, setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit sehr unterschiedlichen Aspekten der Lager-Wirklichkeit auseinander. Mit welchen Methoden versuchte die SS, die Persönlichkeit der Häftlinge zu brechen? Wie allgegenwärtig war der Terror für die Menschen? Welche Ideologie lässt junge Männer zu Tätern werden, denen es egal ist, wenn Häftlinge an Auszehrung sterben? Christian Rupp, Guido Wolf, Konstantinos Maglaras und Holger Lux, Lehrer für Geschichte an der Gesamtschule Konradsdorf, führten ihre Gruppen durch verschiedene Areale des Lagers. An unterschiedlichen Stellen berichteten sie über persönliche Schicksale der Häftlinge und machten damit deutlich, dass Buchenwald für die Schülerinnen und Schüler nicht weit entfernt ist. „Es waren Menschen an diesem Ort, die aus unserer Heimat kamen,“ sagt Hailey B. nach ihrem Besuch in Buchenwald.
Gleichzeitig erkannten die Schülerinnen und Schüler auch, dass das System der Konzentrationslager mitten in der damaligen Gesellschaft stattfand. Zahlreiche wirtschaftliche Verbindungen und Berührungspunkte existierten zwischen dem Lager und der Zivilgesellschaft. Die Ausbeutung der Häftlinge erfolgte nicht nur im Lager selbst, die fand auch in aller Öffentlichkeit statt.
„Nach Buchenwald zu fahren, ist eine wertvolle Erfahrung. Wenn man an dem Ort steht, wo es passiert ist, ist man näher an den Schicksalen der Menschen, als wenn man im Klassenraum darüber redet,“ fasst Tanja T. ihre Erlebnisse zusammen. „Wie kann es nach solchen Ereignissen immer noch Faschisten geben?“ meint Victoria R. resümierend. Der Frage ist eigentlich nichts hinzuzufügen.